Aus der Sicht des Veteranen

Im Dezember 09 sind es 50 Jahre dass ich als 15 Jähriger Jungmusikant in die Reihen der MG Flumenthal aufgenommen wurde. Der Vater hatte keine Freude an meinem Entschluss, denn er war ein echter Hopperschter Turner und sagte mir, die Musikanten trinken gerne viel. Mit 13 Jahren ging ich mit 3 Kollegen zu Steiner August in den Musikunterricht, immer um 19 Uhr vor der Musikprobe. Er lernte uns die Tonleitern auf und ab und als wir zusammen einen Marsch spielen konnten traten wir dem Verein bei. Am Anfang war es sehr schwierig, akzeptiert zu werden, war unsere Ausbildung am Instrument doch sehr dürftig. Auch der Respekt vor den alten bestandenen Mitgliedern war sehr gross, waren doch immer noch 3 Gründungsmitglieder der MG dabei. Doch die Freude am Musizieren half über alle Schwierigkeiten hinweg und ist bis heute geblieben. Schon früh wurde ich als Materialverwalter in den Vorstand aufgenommen was mich natürlich sehr schmeichelte. Es war für mich damals sehr interessant als Jungmusikant schon an demokratischen Entscheiden mitzuwirken. Die Auftritte an den verschiedenen Anlässen war damals für mich immer etwas Besonderes und kein Muss, gab es doch immer etwas zu trinken und zu essen.
Eine Servelat ohne mit den Brüdern zuteilen und ein Stück Brot war zu dieser Zeit ein Festessen. Es gab aber auch Auftritte wie das Muttertagständeli. Die Besammlung um 5 Uhr Morgens war für uns Jungs schon noch happig. Es gab damals Musikantenfrauen die nicht so Freude hatten an Ihren Männern, denn die Schnapsflasche machte eifrig die Runde. Die ersten Musiktage waren für mich immer ein besonderes Erlebnis. Damals waren im Bezirk Solothurn – Lebern doppelt so viele Musikanten wie heute nämlich, bis zu 700 Mann und es war etwas Besonderes vor den damals noch grossen Stadtmusiken zu spielen als kleiner Landverein. Schon bald hatte ich die Ehre dem Verein als Präsident vorzustehen und das während fast 25 Jahren. Das war eine schöne aber manchmal auch schwierige Zeit, galt es doch neben dem Beruf und der Familie alles unter einen Hut zu bringen. Ohne eine verständnisvolle und hilfsbereite Frau wäre das wohl nicht möglich gewesen. Eines der schönsten Erlebnisse war für mich, als ich das erste mal mit meinen 2 Töchtern und 2 Jungs an den Musiktag gehen konnte und die dritte Tochter noch als Ehrendame mitlief. Bleibende Erinnerungen sind auch die Anschaffung und Einweihung von zwei neuen Uniformen in den Jahren 1968 und 1988. Bei solchen Anlässen spürte man die Akzeptanz in der Bevölkerung im Dorf sehr stark. Schöne Erinnerungen sind sicher auch die vielen Kontakte mit ausländischen Vereinen anlässlich der legendären Oktoberfeste in den 60er und 70er Jahren.
Eine grosse Bereicherung für das Blasmusikwesen war der Eintritt der Frauen in unsere Vereine. Maria Steiner war die erste Frau im Kt. Solothurn die in einen Musikverein aufgenommen wurde, da waren wir natürlich sehr stolz. Ein Blasmusikverein ohne Frauen wäre heute undenkbar. Und so gingen die Jahre vorbei mit Hochs und Tiefs aber die Freude überwog allemal. Ich habe der MG Flumenthal und dem Blasmusikwesen viel gegeben aber ich bekam auch viel zurück mit der Gewissheit, in dieser langen Zeit vielen Menschen viel Freude bereitet zu haben. An die Jungen möchte ich appellieren: lernt alle ein Musikinstrument und spielt jeden Tag ein par schöne Töne! Es gibt nichts besseres für Geist und Seele.
Der MG Flumenthal wünsche ich weiterhin viel Erfolg und beste Kameradschaft

Flumenthal im Juni 09

Viktor Wyss


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